Berliner Morgenpost

Berliner Morgenpost, 10-5-2026 (English translation below)

Roemers dokumentiert Soldatenleben ohne Scheu vor Tabus

Ausstellung

Von Dirk Krampitz

Berlin. Martin Roemers zeigt im Militärhistorischen Museum Berlin-Gatow eindrucksvolle Fotografien aus Kriegsgebieten – was treibt ihn an?

Zum Wehrdienst wollte er eigentlich nicht. Er sah es als „Zeitverschwendung“ an.
Martin Roemers wollte Fotograf werden. Aber er absolvierte dennoch seinen Dienst beim niederländischen Militär. Und über den Wehrdienst fand er das, was sein Lebensthema werden sollte: Kriege und ihre Auswirkungen.

In einer Allwetterjacke kommt Roemers nach Gatow. Im Militärhistorischen Museum Berlin-Gatow, zeigt er seine Ausstellung „War Zones“. 25 Jahre nach Beginn des Afghanistan-Einsatzes sind dort 35 großformatige Aufnahmen von Roemers zu sehen. Denn er war zwischen 1997 und 2002 mit den niederländischen Einsatzkontingenten der Friedensmissionen auf dem Balkan und zu Beginn der International Security Assistance Force (ISAF) in Afghanistan. Er hat sie begleitet und fotografiert. Dabei ist er Soldaten und Zivilisten ganz nahe gekommen.

Da ist zum Beispiel das Bild von Oberstabsfeldwebel Harrie. Er präsentiert sein Armeemesser, wirkt dabei freundlich, aber auch martialisch. „Ich wollte, dass die Soldaten einen ihrer persönlichen Gegenstände zeigen. Und Harrie erinnert mich an einen Piraten“, sagt Roemers lächelnd. Er freut sich noch heute über das Bild. Der Soldat bekam danach einen etwas aufgeregten Anruf vom niederländischen Verteidigungsministerium. „Ich verstehe das sogar, aber zum Glück hat es ihn nicht wirklich gekümmert“, erinnert sich Roemers.

Roemers begleitete die Truppen in Zivil. Anfangs war er noch der Fremde, irgendwann gehörte er dazu, passte sich ein. Immer ganz dicht an seinen Motiven. „Wie eine Fliege an der Wand.“ Die Frage, ob er nicht manchmal angesichts des Leids eingreifen wollte, bei weinenden Frauen, verschreckten oder aggressiven Menschen, versteht er zunächst gar nicht. Und antwortet dann schließlich nüchtern: „Nein, ich bin Fotograf, meine Aufgabe ist es, zu dokumentieren.“ Und so dokumentierte er wirklich viele Momente. Auch intime. Egal, ob russischer Soldat mit heruntergelassener Hose über der improvisierten Latrine hockend, halbstarke Plünderer oder albanische Kinder, die zum ersten Mal einen Soldaten mit dunkler Haut sehen und ihn neugierig umringen und berühren. Skrupel sind Roemers fremd.

Der Schrecken des Krieges lässt sich meist nur erahnen, entfaltet dann aber eine ungeheure Wirkung. Wie beim Bild eines mumifizierten Kinderfußes in einem Schuh mit der Größe 22, der aus einem Massengrab stammt.

Ein anderes Mal arbeitete Roemers mit einer 70 Jahre alten Kamera aus

Afghanistan. Aus Neugier hatte er sich von einem afghanischen Straßenfotografen fotografieren lassen. Und war begeistert von seinem ungewöhnlichen Passbild. „Belichtungszeit zehn Sekunden. Eine Fotografie wie bei unseren Großvätern. Die Bilder hatten Staub, Kratzer, nicht scharf – klassisch gesehen keine guten Fotografien, aber ich fand sie perfekt, um das Leben vor Ort zu zeigen.“ Er heuerte den Mann als Assistenten an und fotografierte.

Die Bilder von Roemers sind groß abgezogen. Auf Euro-Paletten geschraubt stehen sie vor dem ehemaligen Towergebäude des Flughafens Gatow. Die Präsentation: eine Reminiszenz an die Kriegseinsätze, wo die Massen an Material für die Soldaten-Camps ebenfalls auf Paletten geliefert werden.

Berliner Morgenpost, 10-5-2026

Roemers Documents Soldiers’ Lives Without Shying Away from Taboos

Exhibition

By Dirk Krampnitz

Berlin. In the Berlin-Gatow Military History Museum, Martin Roemers presents striking photographs from war zones – but what drives him?

He once considered it “a waste of time.” Martin Roemers wanted to become a photographer, yet he still completed his military service with the Dutch armed forces. Through that service, he discovered the subject that would define his life’s work: wars and their consequences.

Wearing an all-weather jacket, Roemers arrives in Gatow. At the Berlin-Gatow Military History Museum, he is presenting his exhibition War Zones. Twenty-five years after the beginning of the Afghanistan mission, 35 large-format photographs by Roemers are on display there. Between 1997 and 2002, he accompanied Dutch peacekeeping contingents on missions in the Balkans and during the early years of the International Security Assistance Force (ISAF) in Afghanistan. He followed and photographed them, getting very close to both soldiers and civilians.

One example is the portrait of Master Sergeant Harrie. He proudly displays his army knife, appearing friendly yet also somewhat martial. “I wanted the soldiers to show one of their personal belongings. And Harrie reminds me of a pirate,” Roemers says with a smile. He still enjoys the image today. Afterwards, the soldier received a somewhat agitated phone call from the Dutch Ministry of Defence. “I can even understand that, but fortunately he didn’t really care,” Roemers recalls.

Roemers accompanied the troops in civilian clothes. At first he was an outsider, but eventually he became part of the group and adapted. Always very close to his subjects — “like a fly on the wall.” When asked whether he ever felt the urge to intervene in the face of suffering — confronted with crying women, frightened or aggressive people — he initially does not understand the question. Then he answers matter-of-factly: “No, I’m a photographer. My job is to document.”

And document he did — many moments, including intimate ones. Whether it was a Russian soldier squatting over an improvised latrine with his trousers down, teenage looters, or Albanian children seeing a dark-skinned soldier for the first time and curiously surrounding and touching him. Roemers is not burdened by scruples.

The horrors of war are often only hinted at, yet they unfold with tremendous force. As in the image of a mummified child’s foot in a size-22 shoe, recovered from a mass grave.

On another occasion, Roemers worked with a 70-year-old camera from Afghanistan. Out of curiosity, he had an Afghan street photographer take his picture and was fascinated by the unusual passport-style portrait. “Exposure time: ten seconds. Photography like in our grandfathers’ days. The pictures had dust, scratches, they weren’t sharp — traditionally speaking, not good photographs, but I thought they were perfect for showing life on the ground.” He hired the man as an assistant and began photographing.

Roemers’ images are printed in large format. Mounted on Euro pallets, they stand in front of the former control tower building at Gatow Airport. The presentation itself is a reminder of military deployments, where huge quantities of supplies for soldiers’ camps are likewise delivered on pallets.